Namahage - Ein gruseliger Start ins neue Jahr

 

Nur noch wenige Tage und 2015 findet sein Ende. Doch obwohl es bei uns an Silvester und Neujahr hauptsächlich um Feuerwerk, Feierlichkeiten und gute Vorsätze geht, gilt der Anbruch eines neuen Jahres in Japan als spirituelle Zeit, in der sich die Geisterwelt und die Welt der Menschen einander besonders nahe sind. Das spiegelt sich natürlich auch in lokalen Bräuchen wieder, die unsereins wohl eher an Halloween oder gruselige Weihnachtstraditionen wie Krampus erinnern.

Vor allem die Präfektur Akita hat sich mit einem unheimlichen Brauch zum Jahreswechsel einen Namen gemacht: Dort kommen an Silvester Dämonen namens Namahage aus den Bergen in die Städte herab, geben wilde Schreie von sich und rufen auf der Suche nach unartigen Kindern „Gibt es hier irgendwelche Heulsusen?“ (泣く子はいねがぁ). Natürlich handelt es sich dabei aber nicht um echte Monster, sondern um verkleidete Jugendliche, die den Kindern der Präfektur Angst einzujagen versuchen. Dabei tragen sie Strohgewänder, Messer, Eimer und furchteinflößende Ogermasken aus Holz. In diesem Aufzug wandern die Namahage von Tür zu Tür und werden von den Bewohnern in die Häuser eingeladen. Die Tradition verlangt es, dass sie dort mit Sake (Reiswein) und Mochi (Reiskuchen) bewirtet werden. Anschließend ziehen die Dämonen weiter und wünschen der Familie viel Glück im neuen Jahr. Zum ersten Mal geschichtlich erwähnt, wurde dieser skurrile Brauch während der Edo-Periode (1603-1868). Forscher gehen jedoch davon aus, dass die Namahage schon zuvor Akita unsicher machten. Der Legende zufolge brachte nämlich einst der chinesische Kaiser Han Wudi (87 v. Chr.) die gruseligen Oger nach Japan!

NamahageDie Präfektur Akita ist allerdings nicht der einzige japanische Ort, der zur Neujahrszeit von dämonischen Wesen heimgesucht wird. Auch im restlichen Teil des Landes findet man den weit verbreiteten Brauch des Setsubun. Dieser wird allerdings zum traditionellen japanischen Neujahrsfest gefeiert, das – wie auch in China, Korea oder Vietnam – erst einige Wochen nach dem 1. Januar, dem Jahresbeginn im gregorianischen Kalender, stattfindet. Auch die Namahage zogen ursprünglich erst zum traditionellen ostasiatischen Jahresende durch die Straßen, bis ein westliches Kalendersystem in Japan etabliert wurde.

Beim Setsubun wird ein als Oni (Dämon) verkleidetes Familienmitglied mit gerösteten Sojabohnen beworfen, um auf diese Weise symbolisch das Böse zu vertreiben. Dabei wird „Der Oni draußen! Das Glück drinnen!“ (鬼は外!福は内!) gerufen. Die Rolle des Werfers übernimmt meist der Familienvorstand oder eine Person, die im chinesischen Sternzeichen des kommenden Jahres geboren wurde. Beträgt die Anzahl der geworfenen Bohnen dabei die des eigenen Alters plus eins, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man im neuen Jahr besonders viel Glück hat. Diese Tradition bezeichnet man als Mamemaki.
 

Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und ausbleibende Begegnungen mit hungrigen Dämonen!

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