Interview mit Kamome Shirahama

 

Ein exklusiver Einblick in die faszinierende Welt der Hexen

Dieses Interview erschien erstmals in der AnimaniA 1/2019. Wir geben es hier in leicht abgewandelter Form wieder und danken den lieben Leuten von der Animania, dass wir das Interview veröffentlichen dürfen! Für mehr Infos zu dem Magazin klickt hier. Aber nun zu den Fragen!!!
 
 
Frage: Atelier of Witch Hat beginnt mit der Frage, ob man zur Hexe geboren sein muss, um eine werden zu können. Würden Sie sagen, dass Sie zur Mangaka geboren wurden, oder war es etwas anderes, was Sie hierher gebracht hat?

Antwort: Ich habe zuerst an der Uni Design studiert und weil ich ein großer Fan von Star Wars und generell Pixar war, wollte ich eigentlich zuerst in die Filmbranche. Dann fiel mir jedoch auf, dass ich mit Manga auch alleine zeichnen und eine Geschichte erzählen könnte, wie bei einem Film, weshalb ich mich für das Mangazeichnen zu interessieren begann. Anfangs arbeitete ich als Illustratorin, bevor ich mit Eniale & Dewiela debütierte und mir so den Traum erfüllte, Mangaka zu werden. Ich wollte also nicht direkt von Anfang an gezielt Mangaka werden – das war für mich aber das Ziel auf dem Weg zu dem Traum, den ich verfolgt hatte.

F: Wie kam Ihnen die Idee zu Atelier of Witch Hat?

A: Alles begann mit einem Gespräch mit einer Freundin, als wir meinten, zeichnen sei wie Magie. Ein künstlerischer Beruf, bei dem man zeichnet oder malt, scheint auf den ersten Blick nur einem gewissen Personenkreis vorbehalten zu sein. Aber ich finde, dass, wenn man sich richtig reinhängt, an seiner Technik arbeitet und das Ganze logisch angeht, sich auch jeder mal daran versuchen kann. Ich wollte diesen Beruf mit dem eines Magiers oder einer Hexe gleichsetzen, bei dem auch jeder meint, dass normale Menschen diesen nicht ausüben könnten. Diesen Manga begann ich dann in der Hoffnung zu zeichnen, die Leser würden daraus Mut schöpfen und selbst auch einiges wagen, was sie sich zuvor nicht zugetraut hätten.

F: Laut unserer Recherche spielten ihre vorherigen Werke alle im Diesseits und Atelier of Witch Hat ist ihre erste Fantasy-Serie. Welche Eigenschaften dieser magischen Welt bereiten Ihnen beim Zeichnen besonders viel Freude?

A: Bei einer Fantasy-Geschichte macht es viel Spaß, Landschaften und Tiere zu zeichnen, die es so noch nicht gibt. Ich selbst liebe es auch, zu reisen! Und bei Atelier of Witch Hat habe ich das Gefühl, zu einer Reiseleiterin zu werden, die die Leser durch die Welt dieses Werks führt. Zeichnet man eine Geschichte, die in der realen Welt spielt, muss man als erstes viel recherchieren über die Kultur, Sitten und Bräuche und auch die Kleidung, die die Menschen tragen. Bei einer Fantasy-Geschichte muss man sich all das von Grund auf neu ausdenken, was auch sehr schwierig ist.

F: In Atelier of Witch Hat kommen viele magische Gerätschaften vor. Welche finden Sie besonders praktisch und würden Sie selbst gerne besitzen?

A: Der Kochtopf aus Kapitel acht, der die Zeit manipuliert, damit das Essen wieder in dem Zustand ist, als es frisch zubereitet wurde! Damit wäre es so viel einfacher, Essen im Voraus vorzubereiten… (lacht). Und Türfenster wären auch sehr praktisch.

F: Wieviel von Ihnen selbst steckt in der Protagonistin Coco, vielleicht aber auch in Lehrer Quiffrey oder ihren Freundinnen aus dem Atelier?

A: Meine Charaktere durchleben all die Probleme und Schwierigkeiten, mit denen ich mich früher selbst konfrontiert sah. Und auch die Probleme und Komplexe, die in Gesprächen mit anderen, mir nahe stehenden Künstlern aufkommen, reflektiere ich anhand der Figuren in meinen Werken.

F: Wie haben Sie Aussehen und Persönlichkeit der Hauptfiguren entwickelt? Nehmen Sie gerne eine Figur Ihrer Wahl als Beispiel oder sprechen Sie in groben Zügen über den Main Cast als Ganzes.

A: Bei einer Figur überlege ich mir als allererstes, was deren Schwäche ist, bevor ich alles andere dann drum herum aufbaue. Agathe ist zum Beispiel sehr hartnäckig, dafür aber auch fleißig und gibt stets ihr Bestes. Für das Design überlege ich mir erst, wie die Figur charakterlich wohl wirkt und versuche, diese Wirkung dann zeichnerisch umzusetzen.

F: Auf ihren Manga-Seiten gibt es neben den erzählenden Bildern auch immer wieder gleichschenklig aufgebaute, gerahmte Einzel-Illustrationen, die an Märchenbuchillustrationen, Jugendstil-Bilder sowie Werke des französischen Künstlers Gustave Doré denken lassen. Welche anderen Künstler bewundern Sie und gibt es Elemente an deren Arbeit, die Ihnen dabei geholfen haben, ihren eigenen Stil zu formen oder weiterzuentwickeln? Sie dürfen hier selbstverständlich auch Mangakas nennen.

A: Da gibt es wirklich sehr viele! Bei Federzeichnungen mag ich die Atmosphäre der Bilder in Die Geschichte von Peter Rabbit und Alice im Wunderland von John Tenniel und Arthur Rackham. Ich mag aber auch Alfons Maria Mucha oder Gustav Klimt, die in ihren Werken Zeichnung und Gemälde vereinigen. Und auch der französische Künstler Moebius hat mich stark beeinflusst. In letzter Zeit haben es mir amerikanische Comics angetan. An japanischen Mangakas bewundere ich Moto Hagio und Katsuhiro Otomo.

F: Anstelle von Rasterfolien arbeiten sie wie beim sogenannten akademischen Zeichnen viel mit Schraffuren. Können Sie interessierten Nachwuchszeichnern erklären, wofür sich Schraffuren in einem Manga ihres Erachtens besser eignen als besagte Rasterfolien oder graue Flächen?

A: Ich finde, dass die Bilder durch Schraffuren mehr wie Illustrationen wirken und beim Lesen daher das Gefühl erzeugen, eine alte Geschichte zu lesen. Seiten, die ich besonders mag, wären in Band eins im ersten Kapitel Seite 21, die Abbildung des Schlosses, und das Bild von Quiffrey auf Seite 31.

F: Es hat sicher viel Spaß gemacht, die Zauberwappen, -pfeile und –formationen zu entwerfen, mit denen man in Atelier of Witch Hat zaubern kann. Wie sind Sie hierbei vorgegangen?

A: Bei den magischen Kreisen benutze ich viele mathematische Symbole, Pfeile und Vergleichszeichen, die dazu beitragen, „die Wirkung der Magie“ zu visualisieren. Im Detail sollte dies in einem Artikel am Ende von Band eins erläutert sein, also lest ihn euch gern durch!

F: Ohne ihre Fans zu spoilern: Gibt es etwas, was Sie in Atelier of Witch Hat unbedingt noch zeichnen wollen, zum Beispiel einen bestimmten magischen Gegenstand?

A: In Band eins tauchen ja so einige Zaubersprüche und Magie auf, die zum Teil später wiederkehren werden. Wie und in welcher Form, das verrate ich natürlich noch nicht, also bleibt gespannt!

F: Welche Zeichenmaterialien benutzen Sie?

A: Eine normale Feder und Tusche. Leider kann ich keine Magie einsetzen (lacht). Außerdem benutze ich auch einen Pinsel, sowie einen Pinselstift und einen Schwamm, um stellenweise besondere Effekte zu erzeugen.

F: Wie sieht Ihr Alltag als Mangaka für gewöhnlich aus?

A: Zuallererst füttere ich meinen Hund und gehe mit ihm spazieren. Dann zeichne ich das Storyboard, bevor ich mich wieder um meinen Hund kümmere und danach dann an dem Manuskript arbeite. Ich habe den Hund erst seit Kurzem und so kümmere ich mich nun hauptsächlich um ihn, während ich in den Pausen dazwischen dann an meinem Manga weiter zeichne (lacht).
So im Großen und Ganzen führe ich also ein recht geordnetes Leben, denke ich. In meinen Pausen ruhe ich mich aus, indem ich an anderen Bildern zeichne.

F: Gibt es einen Manga oder Anime, den Sie im Augenblick gerne lesen oder schauen und unseren Lesern empfehlen möchten? Es darf auch ein älterer oder nur auf Japanisch erschienener Titel sein.

A: Satoru Nodas Golden Kamuy ist richtig spannend! Als Fantasy-Werk möchte ich euch hingegen Seika Nakayamas Alfheim no kishi ans Herz legen.

F: Haben Sie zum Abschluss noch eine Grußbotschaft an Ihre deutschen Fans?

A: Ich war erst vor Kurzem in Deutschland und habe mich in dieses Land verliebt! Daher würde ich auch gern wieder mal nach Deutschland gehen. Ich hoffe auch weiterhin auf eure Unterstützung!


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